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Von heute auf morgen nichts mehr sehen ein kaum vorstellbares Gefühl. Rita Nussbaumer kennt dieses allerdings nur zu gut. Im Alter von 47 Jahren erblindete sie durch eine Schock-Reaktion. Nach 24 Jahren findet sich die Wisnerin aber gut damit zurecht und sprüht vor Lebensfreude.

WISEN Ständige Augenentzündungen begleiteten Rita Nussbaumer schon in ihrer Kindheit. Bis sie 41 Jahre alt war, sah sie aber immer gut. «Dann fing mein Sehvermögen an, sich zu verschlechtern», erinnert sich die heute 71-Jährige. Auch wenn sie am Ende nur noch ein Sehvermögen von 20 Prozent hatte, führte sie dennoch das Restaurant Sonne in Wisen weiter. «Meine Eltern haben dieses schon geführt; danach habe ich übernommen», sagt die Wisnerin.

Dann kam der Tag ihrer totalen Erblindung: «Es war an einem 30. Dezember. Meine Mutter stand morgens nicht mehr aus dem Bett auf sie erlitt einen Hirnschlag. Aus diesem Schock heraus kam bei mir die Erblindung. Mit 47 Jahren war ich von einem Moment auf den anderen blind.» Ihre damaligen Mitarbeiter sowie ihr Lebenspartner Hermann waren ihr eine grosse Stütze. «Das habe ich da auch gebraucht», so die Wisnerin, die eine harte Zeit vor sich hatte. «Ich musste das Geschäft aufgeben; konnte es zum Glück aber vermieten, sodass ich auch heute noch regelmässig das Restaurant besuchen kann.»Nussbaumer wohnt direkt nebenan“.

Dank Hilfsmitteln den Alltag meistern

Ist Rita Nussbaumer am Stammtisch, so wird gejasst. Dank spezieller Jasskarten mit Brailleschrift (Blindenschrift; ins Papier gepresste Punktmuster) ist das Kartenspiel auch mit Erblindung noch möglich. Das ganze «A, B, C» in Blindenschrift neu zu lernen war für Nussbaumer eine Herausforderung und fast schon eine Demütigung. Genauso das Erlernen des Schwyzerörgelispielens. «Ich hatte das Örgeli schon länger. Durch den Gastrobetrieb hatte ich aber keine Zeit zum Üben. Durch die Erblindung änderte sich dies», sagt Rita Nussbaumer und schwärmt von ihrem Musiklehrer Urs Mangold.

Nebst dem Jassen und Musizieren begibt sich die Wisnerin auf Wanderungen, besucht einen Englischkurs und ab und an auch Handy- oder Computerkurse. «Mein Handy und der Computer haben eine Sprachausgabe», erzählt sie und setzt sich sogleich an den PC. Sie tippt die Tasten der Bildschirm bleibt schwarz. «Den benötige ich ja nicht», sagt sie. In einem «Kiosk»-Programm kann sie nach verschiedenen Zeitungen suchen undsich die gewünschten Berichte vorlesen lassen. Dieses E-Kiosk Programm ist vom Blindenverband. «Oder ich scanne meine Post ein und die Sprachausgabe liest mir vor, was auf den Briefen und Rechnungen steht», erzählt Nussbaumer, die ab 1999 für 14,5 Jahre im Restaurant blindekuh in Zürich arbeitete. «Ich war im Service tätig; es war eine super Zeit. Im Restaurant konnte ich den Gästen behilflich sein. Draussen war es umgekehrt ich war froh um die Hilfe der anderen.» Heute kocht sie einmal wöchentlich für ihren Bruder, dessen Sohn und seine Familie. «Der Sohn meines Bruders hat auch Kinder. Da ich selbst keine habe, ist das für mich wunderbar.»

Dankbar ist Rita Nussbaumer der Fachstelle Sehbehinderung Fokus-plus in Olten sowie Alex Heuberger von der Augenklinik Heuberger AG in Olten, welche sie tatkräftig unterstützen. Die 71-Jährige steckt voller Optimismus und versprüht pure Lebensfreude. «Ich habe auch nicht immer nur gute Tage. Aber eigentlich darf ich zufrieden sein.»

Autorin: Chantal Siegenthaler (Neue Oltner Zeitung)
Erstellt: Thomas Biedermann
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