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Liebe Leserin, lieber Leser

Wir dürfen Sie mit der zehnten Ausgabe unseres Newstickers bedienen. In dieser Ausgabe haben wir für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, eine bunte Mischung von Themen zusammengestellt. Wir wünschen viel Lesevergnügen und danken herzlich für die motivierenden Rückmeldungen, die uns spontan erreichen.

Änderung der Verkehrsregeln und Signalisationsvorschriften

Die Gefahren im Strassenverkehr für Personen mit Sehbehinderung sind vielfältig und könnten bald mit einem weiteren Hindernis ergänzt werden. Der Bundesrat hat am 10. Oktober zu einer Vernehmlassung aufgerufen. Es soll Änderungen der Verkehrsregeln und der Signalisations-vorschriften geben. Erwähnenswert erscheint uns der Schwerpunkt, dass Jugendliche im Primarschul-pflichtigen Alter künftig „mit der gebotenen Vorsicht“ (!), wie vom eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) im Begleitschreiben zur Vernehmlassung erwähnt, auf dem Trottoir Velo fahren dürfen. Der SBV wird sich selbstverständlich an dieser Vernehmlassung beteiligen und informiert weiter.
Die Interessenvertretung hat bereits im Vorfeld mit ausgewählten Partnern im Strassenverkehr, wie beispielsweise dem Touringclub Schweiz (TCS) oder dem Verkehrsclub der Schweiz (VCS), den Kontakt gesucht und zur gemeinsamen Sensibilisierung für die Bedürfnisse Blinder und Sehbehinderter aufgerufen.
Nicht nur im Strassenverkehr legen Velos an Popularität zu. Auch auf Wanderwegen sind Biker anzutreffen. Zu dieser Thematik erarbeitet das Bundesamt für Strassen ein Merkblatt. Unser Dossierverantwortlicher für Strassensicherheit, Joël Favre, nimmt sich dieser Sache an und unterstreicht die Bedürfnisse von Personen mit Sehbehinderung während der Erarbeitung dieses Merkblatts.

Stabilisierung der AHV (AHV 21)

Die SBV-Interessenvertretung hat sich an der Vernehmlassung zur Stabilisierung der AHV (AHV 21) beteiligt. Der Bundesrat will die AHV-Renten sichern, das Rentenniveau halten und die Finanzen der AHV stabilisieren. Gleichzeitig will er das Rentenalter flexibilisieren und die Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit verstärken.
Die Stabilisierung der AHV ist dringlich! Die zwei Säulen Flexibilisierung des Altersrücktritts (AHV und berufliche Vorsorge) und Vorschläge zur Finanzierungssicherung sind – wenngleich kommunikativ hoch anspruchsvoll – vom SBV nachvollziehbar. Das Rentenniveau darf nicht sinken.
Grundsätzlich erachtet der SBV etwa die vorgeschlagene Koordination von AHV und IV als vorteilhaft. Die Anpassung der Rentenformel soll freilich nicht ausschliesslich zwischen 1958 bis 1966 geborenen Frauen zu Gute kommen. Sie soll für alle Frauen mit tiefen und mittleren Einkommen gelten ebenso wie für alle Männer in dieser Situation. Ausserdem: Die Anpassung der Rentenformel soll gleicherweise für die IV zur Anwendung kommen, andernfalls befürchtet der SBV ein Auseinanderdriften von AHV und IV. Der SBV weist ferner auf die Problematik der Hilfsmittel bzw. der Hilflosenentschädigung und des Assistenzbeitrags nach dem Referenzalter hin. Heute finanziert die IV beispielsweise einer 64-jährigen sehbehinderten Person ein Lesegerät. Erblindet die Person im AHV-Alter, so muss sie ihr Lesegerät selber finanzieren. IV und AHV sollen gleichbehandeln und die AHV 21 soll dazu genutzt werden, diese Ungleichbehandlung zu eliminieren. Ausserdem: Heute erhalten Blinde generell einzig eine Hilflosenentschädigung für leichte Hilflosigkeit. Sie sind in ihrem Alltag auf die grosse Unterstützung etwa von Eltern oder Ehepartnern, Ehepartnerinnen angewiesen, welche als Folge dieses grossen Engagements ihrerseits keine existenzsichernde Tätigkeit mehr auszuführen in der Lage sind. Der SBV fordert die Ausdehnung des Anspruchs auf Betreuungsgutschriften, welche Verwandte mit einer Hilflosenentschädigung für leichte Hilflosigkeit betreuen.

AHV/IV-Minimalrente steigt um zehn Franken

Wie der Bundesrat mitteilte, werden die AHV/IV-Renten per 1. Januar 2019 angepasst. Die minimale AHV/IV-Rente steigt von 1’175 auf 1’185 Franken pro Monat, die Maximalrente von 2’350 auf 2’370 Franken (Beträge bei voller Beitragsdauer). Bei den Ergänzungsleistungen wird der Betrag für die Deckung des allgemeinen Lebensbedarfs von 19’290 auf 19’450 Franken pro Jahr für Alleinstehende, von 28’935 auf 29’175 Franken für Ehepaare und von 10’080 auf 10’170 Franken für Waisen erhöht. Auch die Entschädigungen für Hilflose werden angepasst.
Die Mindestbeiträge der Selbständigerwerbenden und der Nichterwerbstätigen für AHV, IV und EO werden von 478 auf 482 Franken pro Jahr erhöht, der Mindestbeitrag für die freiwillige AHV/IV von 914 auf 922 Franken.

Online Steuererklärung

Ein SBV-Mitglied hat die Interessenvertretung auf Schwierigkeiten beim Ausfüllen der online Steuererklärung in diversen Kantonen aufmerksam gemacht. Viele Formulare sind mit einer grauen Hintergrundfarbe hinterlegt und dies ergibt, namentlich im invertierten Farbmodus, einen sehr schlechten, fast schon unleserlichen Kontrast.
Die Interessenvertretung hat dieses Thema in einem Schreiben an die Bundeskanzlei vorgebracht. Nun wurde das Anliegen an die eidgenössische Steuerverwaltung weitergereicht. Die Interessenvertretung bleibt am Ball und informiert weiter.

E-Voting

Die elektronische Stimmabgabe – sogenanntes E-Voting – etabliert sich sukzessive als weiterer ordentlicher Stimmkanal in der Schweiz. Sobald diese Anwendung auch für Personen mit einer Sehbehinderung zugänglich ist, steigert dies die Selbstständigkeit und ein autonomes Abstimmen wird möglich. E-Voting wird in der Schweiz zurzeit in neun Kantonen (Aargau, Bern, Basel-Stadt, Luzern, Neuenburg, Freiburg, Genf, St. Gallen, und Thurgau) gemäss Angabe der Bundeskanzlei auf Versuchsbasis angeboten. Auch der Kanton Zürich führt Gespräche zur Thematik E-Voting. Erica Brühlmann-Jecklin, Präsidentin der SBV-Sektion Zürich-Schaffhausen, bekräftigte in einem hörenswerten Radiointerview in der Sendung „Regionaljournal Zürich-Schaffhausen“ die Wichtigkeit der Zugänglichkeit von E-Voting für Menschen mit einer Sehbehinderung. Der Kanton Zürich tritt bald in die Beratung des Geschäfts ein. Eine Ausnahmebewilligung für Personen mit Sehbehinderung, analog der Auslandschweizer, können sich auch Kritiker des E-Votings vorstellen.
Die Interessenvertretung wird sich im Rahmen der Vernehmlassung zur Gesetzesrevision äussern und die Anliegen von Menschen mit Sehbehinderung einbringen.

Bundesgesetz über elektronische Medien

Im Rahmen der Vernehmlassung zum Bundesgesetzt über elektronische Medien (BGeM) hat auch der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband SBV Stellung genommen. Die vor-geschlagenen Anpassungen sollen nicht nur die Dienstleistungen der SRG betreffen, wie es bisher im RTVG der Fall war, sondern diejenigen aller (inkl. Internet-basierter) Medienanbietenden in unserem Land. Zudem soll die Zugänglichkeit nicht bei der Wandsteckdose enden, sondern auch bei den TV-Anbietern und ihren Set-top-Boxen ermöglicht werden. Das Angebot an audiodeskribierten Medien soll deutlich erhöht und die nötige Finanzierung soll gesichert werden. Eine Beteiligung der betroffenen Menschen in der KOMEM-Aufsichtskommission des Bundes ist ebenfalls gefordert.

Zugängliche Kulturstätten

Blinde und sehbehinderte Menschen haben das Bedürfnis, für sie zugängliche Kulturveranstaltungen geniessen zu dürfen. Das Angebot wird stets erweitert und reicht von Theater über Museen, Festivals und Führungen zu Monumenten und in Ausstellungen. Ausser im Falle solcher Anlässe wissen betroffene Personen meistens kaum, ob ein Spektakelort, ein Monument oder ein Museum für sie interessant und geeignet, sprich zugänglich ist. Auch zu Fragen der Eintrittsbedingungen (Preise für blinde oder sehbehinderte Personen sowie für ihre Begleitperson, Zulassung des Blindenführhundes et cetera) sowie der getroffenen baulichen Massnahmen (Markierungen und Signaletik, Beleuchtung, Kontraste) erhalten Betroffene oft keine konkreten Hinweise. Interessierte blinde und sehbehinderte Personen beobachten daher gerne bei ihrem Besuch von Kulturstätten, ob diese eben zugänglich sind und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Viele von ihnen sensibilisieren bereits vor Ort und erzielen somit neue positive Zugänglichkeitsaspekte. Der Interessenvertretung des SBV ist wichtig, dass diese Aspekte für andere Personen mit Sehbehinderung bekannt gemacht werden. Hierfür sind wir auf Ihre Tipps und Empfehlungen angewiesen (per Mail an olivier.maridor@sbv-fsa.ch).

Untertitelung beim SRF

Eine Person ohne Sehbehinderung hat den SBV kontaktiert und uns darauf aufmerksam gemacht, dass eingeblendete Texte am Schweizer Fernsehen wie Namen und Funktion von Rednern, Zusatzinformationen und Anderes oft schlecht leserlich sind, weil die Kontrastverhältnisse zwischen Textfarbe und Hintergrund nicht optimal sind. Die Interessenvertretung des SBV hat das Anliegen dem Schweizer Fernsehen kommuniziert und die Verantwortlichen gebeten, dass solche Texte für alle besser zugänglich gemacht werden. Bei audiodeskribierten Sendungen werden diese Zusatzinformationen in der Regel ebenfalls mündlich kommuniziert.

App INTROS

Die SBV-Fachstelle Technologie & Innovation präsentierte am 15. Oktober 2018 – dem Jahrestag unseres grossen Begegnungsfests mit den Lions in Bern – die App INTROS diversen Verkehrsbetrieben, wie beispielsweise den SBB und anderen lokalen Unternehmen.
Zur Erinnerung: Nach der Finanzierung neuer Low-Vision-Tool-Boxes, dem grossen Begegnungsfest in Bern ist die Entwicklung einer neuen Applikation für Mobiltelefone die dritte Zusammenarbeit mit dem SBV während des Lions-Jubiläums. Die App erleichtert das Reisen mit Bussen oder Strassenbahnen für Personen mit einer Sehbehinderung. Aktuell läuft eine Pilotphase mit der Linie 47 der Baselland Transport BLT sowie der Linie 36 der Zugerland Verkehrsbetriebe ZVB.
Die App kann noch bis Ende November von interessierten SBV-Mitgliedern getestet werden.
Unsere Initiative mit der App-Präsentation löste in der Schweiz ein grossartiges Medienecho aus. So berichteten beispielsweise die Tagesschau SRF und RTS le journal über die App INTROS.
Die Funktionsweise der App zeigt der SBV in einem kurzen Video. Dieses ist auf YouTube in deutscher Sprache unter dem folgenden Link zu finden: Video INTROS in Deutsch.
Die App kann im Appstore unter dem folgenden Link heruntergeladen werden: Download App INTROS.

Beschaffung neues Rollmaterial

Anfangs Sommer 2018 haben die Südostbahnen (SOB) den ersten Zug des Typs «Traverso» der Öffentlichkeit präsentiert. Mitte Sommer hat Regionalverkehr Bern Solothurn (RBS) den neuen Zug «Worbla» – die neue S7 – vorgestellt. Dank der guten Zusammenarbeit mit den Behinderten-organisationen wird das Rollmaterial hindernisfrei zugänglich sein. Die Behindertenorganisationen begleiten ebenfalls die Rollmaterialbeschaffung der BLS des Typs «Flirt 4». Anfangs Sommer fand eine Besichtigung eines Modells in Originalgrösse des Fahrzeugs statt. Die Zusammenarbeit verläuft konstruktiv. Die Interessenvertretung des SBV freut sich besonders über den immer öfteren Einbezug von betroffenen Menschen ab Beginn einer Rollmaterialbeschaffung.

Freundliche Grüsse

Daniela Moser – Joël Favre – Olivier Maridor – Sascha Feldmann
Interessenvertretung
Telefon 031 390 88 33
interessenvertretung@sbv-fsa.ch

Erstellt: Thomas Biedermann 02.11.2018, 13:30 Uhr
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