/ Interessenvertretung

Der Bund machts Blinden schwer

Ausgerechnet der Bund vermasselt es, Sehbehinderten den Zugang zu Informationen zu sichern.
Mit einem Screenreader kann man sich zwar die Inhalte vorlesen lassen. Ständige Software-Updates machen das aber zusehends schwieriger. Aktuell werden auf vielen Seiten des Bundes sogenannte Registerkarten verwendet. Wenn man darauf klickt, erscheint der Text. Nach einem Update kann der Screenreader diesen aber nicht mehr lesen.
Das bekommt Beobachter-Beraterin Irene Rohrbach immer wieder zu spüren. Die fast blinde Juristin konsultiert regelmässig Websites des Bundes. «Diese Updates sind sehr ärgerlich. Ich bin darauf angewiesen, dass ich die Infos in nützlicher Zeit bekomme», sagt Rohrbach.
Nun hat auch der Blinden- und Sehbehindertenverband bei der Bundeskanzlei protestiert – mit Erfolg. Laut Bundeskanzlei sollen die Registerkarten «möglichst zeitnah» durch eine hindernisfreie Darstellung ersetzt und andere Departemente über die Probleme informiert werden. «Grosse Bedeutung.» Die Bundeskanzlei betont, dass die Bundesverwaltung der Barrierefreiheit grosse Bedeutung zumesse und eine eigene Geschäftsstelle dafür betreibe. Zudem prüfe eine unabhängige Stelle die Websites periodisch. Für Blinde und Sehbehinderte sind Software-Updates ein grosses Problem. «Sie sind in der Regel relativ heikel, weil sich immer wieder etwas ändert, was nicht vorhersehbar ist», heisst es beim Blindenverband. Er appelliert deshalb an Softwareentwickler, die Barrierefreiheit nicht zu vernachlässigen. In der Schweiz sind mehr als 325 000 Personen von einer Sehbehinderung betroffen.
TINA BERG(Beobachter)

Erstellt: Thomas Biedermann 08.01.2019
Share this Post

Hinterlasse eine Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.