Bahnhof Olten ist weitgehend rauchfrei

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SBB-Angestellte räumten am Dienstagmorgen in ihren orange-leuchtenden Gilets die alten Raucherschilder weg.
Auf ihnen war zu lesen: «Danke, dass Sie Ihre Zigaretten hier entsorgen.» Das gehört nun der Vergangenheit an. Seit Montag ist der Oltner Bahnhof bis auf wenige Bereiche auf den Bahnsteigen rauchfrei.

Antonio Donatiello arbeitet am Bahnhof Olten. Auf die Frage der Redaktion, ob er das Rauchverbot im Bahnhof denn gut finde, antwortet er mit «Jein». Er ist der Meinung, dass man generell etwas gegen das gesundheitsschädliche Rauchen unternehmen soll. Allerdings zieht der ehemalige Raucher noch ein anderes Argument in Betracht: «Die Unterführung ist ein offener Raum. Wem sollte das schaden? Für die Raucher ist es diskriminierend.»

Melike Karaboya, eine jüngere Frau, Kioskangestellte und Raucherin, stellt das Verbot auch infrage: «Wenn die Unterführung ein geschlossener Raum wäre, dann würde ich es verstehen.»

Eine andere Meinung vertritt Luca Cazzato als junger Erwachsener. Er habe es gehasst, wenn ein Raucher direkt nach dem Aussteigen eine Zigarette angezündet und damit andere Zuggäste belästigt habe. Er persönlich findet den rauchfreien Bahnhof mit Raucherbereichen einen guten Ansatz.

Dieser Meinung sind auch zwei ältere Damen, beide Nichtraucherinnen, die anonym bleiben wollen. Die eine beschreibt sich selbst als rauchempfindlich und sagt: «Natürlich finde ich es unangenehm, wenn ich einem Raucher hinterherlaufe und der Rauch mein Gesicht umhüllt.» «Aber das kann überall passieren», entgegnet die andere. In einer offenen Unterführung würde es ihrer Meinung nach nicht zu einer unangenehmen Situation kommen. Dafür gäbe es zu wenig Raucher, die gleichzeitig in der selben Unterführung rauchen würden.

Neben der grossen Anzeigetafel in der Martin-Disteli-Unterführung lehnt sich Gilbert Maillard, Zigarette rauchend, an einen Abfahrtsplan neben einem Aschenbecher. Für ihn ist es nicht schlimm, ein paar Meter mehr laufen zu müssen, um seine Zigarette rauchen zu dürfen. «Ob ich nun in der Unterführung oder auf dem Perron rauche, spielt mir keine Rolle», so der Westschweizer Pendler und nimmt noch einen Zug.

Alle Schweizer Bahnhöfe bis 2020 rauchfrei

Der Verband für öffentlichen Verkehr (VöV) hat rauchfreie Bahnhöfe mit Raucherbereichen Ende 2018 als logische Fortsetzung des Rauchverbots in
Zügen vor 14 Jahren beschlossen. In einer Medienmitteilung Anfang Juni gab der Verband bekannt, die Massnahme würde einen typisch schweizerischen Kompromiss schaffen. Zum einen würden die Kunden so mit weniger Passivrauch konfrontiert werden und die Aufenthaltsqualität an den Bahnhöfen würde durch erhöhte Sauberkeit steigen. Zum anderen würden die Raucherbereiche den Rauchern ebenfalls entgegenkommen, wie VöV-Direktor Ueli Stückelberger in dieser Medienmitteilung zitiert wird.

Autor: Nico Schwab - Oltner Tagblatt 
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